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Extra Chance auf Nordlicht über Deutschland: wie ein Sonnensturm das seltene Schauspiel möglich macht

Extra Chance auf Nordlicht über Deutschland: wie ein Sonnensturm das seltene Schauspiel möglich macht

In den kommenden Nächten könnten Polarlichter deutlich weiter südlich sichtbar werden als gewöhnlich – und damit auch über Teilen Deutschlands. Ursache ist eine Kombination aus einer ungewöhnlich aktiven Sonne und einem günstigen geometrischen Zusammenspiel von Erdachse und Magnetfeld rund um die Tag-und-Nacht-Gleiche im März.

Warum gerade jetzt Nordlicht in unseren Breiten möglich ist

Normalerweise muss man nach Norwegen, Island oder Lappland reisen, um eine eindrucksvolle Nordlichtshow zu erleben. In dieser Woche verschiebt sich jedoch das sogenannte Polarlichtoval vorübergehend weiter nach Süden. Verantwortlich dafür ist eine Serie kräftiger Eruptionen auf der Sonne.

Bei solchen Eruptionen werden große Wolken elektrisch geladenen Gases – sogenannte koronale Massenauswürfe (CMEs) – ins All geschleudert. Nach Angaben der US-Raumwetterbehörde NOAA sind mindestens vier dieser Plasmawolken auf dem Weg zur Erde. Treffen sie auf das Erdmagnetfeld, werden die Magnetfeldlinien in der oberen Atmosphäre durcheinandergebracht und es entstehen Leuchterscheinungen rund um die Pole.

Treffen mehrere Plasmawolken kurz hintereinander ein, kann das Magnetfeld über viele Stunden bis hin zu Tagen in Aufruhr bleiben. Dadurch steigt die Nordlichtwahrscheinlichkeit, auch in gemäßigten Breiten.

Für den Zeitraum um den 19. bis 21. März rechnen Vorhersagemodelle mit sogenannten G2- bis möglicherweise G3-Stürmen auf einer Skala von G1 (schwach) bis G5 (extrem). Bei G2 können Polarlichtschleier bis auf Breiten wie New York vordringen; bei G3 verschiebt sich diese Zone noch weiter nach Süden. Norddeutschland liegt dann klar im Bereich möglicher Sichtungen, und auch Teile der übrigen Bundesländer könnten profitieren, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Warum die Frühlings-Tagundnachtgleiche das Magnetfeld empfindlicher macht

Neben dem Sonnensturm selbst spielt auch die Stellung der Erde eine zusätzliche Rolle. Um den 20. März ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche: Tag und Nacht sind annähernd gleich lang. In dieser Phase ist die Erdachse so zur Sonne ausgerichtet, dass sich die Magnetfelder von Sonnenwind und Erde leichter miteinander verbinden können.

Dieses Phänomen wird Russell-McPherron-Effekt genannt, benannt nach den Geophysikern, die es in den 1970er-Jahren beschrieben. Der Kern des Effekts: Ist das Magnetfeld des Sonnenwinds entgegengesetzt zum Erdmagnetfeld ausgerichtet, können beide Felder regelrecht ineinandergreifen. Dadurch gelangen mehr Teilchen in unsere Magnetosphäre.

Rund um die Tagundnachtgleiche ist die Erdachse dafür besonders günstig ausgerichtet. Das Magnetfeld des Sonnenwinds „koppelt“ dann effizienter an das der Erde. Selbst relativ schwache Sonnenstürme können so auffällige Nordlichtaktivität auslösen.

Für Nordlichtjäger gilt diese Zeit daher traditionell als Hochsaison. Ein Sturm, der im Oktober kaum auffällt, kann im März plötzlich ein breites Lichtband erzeugen, das weit bis nach Mitteleuropa reicht.

Unsichere Ankunftszeiten: mehrere Nächte mit Chancen

Raumwetter ist deutlich schwieriger vorherzusagen als klassisches Wetter am Boden. Die Geschwindigkeit einer Plasmawolke verändert sich auf dem Weg zur Erde durch Wechselwirkungen mit Teilchen im interplanetaren Raum. Dadurch können sich Ankunftszeiten um mehrere Stunden verschieben.

Die NOAA erwartete zunächst eine erste Schockfront in den frühen Morgenstunden des 19. März, mit stärkster Aktivität zwischen Vormittag und frühem Nachmittag. Der britische Wetterdienst Met Office rechnet eher mit einem etwas späteren Eintreffen, sodass die stärkste Unruhe in die Nachtstunden und den frühen Morgen des Folgetages rutschen könnte.

Da mehrere Plasmawolken hintereinander unterwegs sind, kann die erhöhte geomagnetische Aktivität 24 bis 48 Stunden oder länger anhalten. Damit ergeben sich mehrere Chancen, verteilt über verschiedene Nächte.

Für Beobachterinnen und Beobachter in Deutschland bedeutet das: nicht alles auf eine einzige Nacht setzen. Die eindrucksvollsten Erscheinungen können kurz und unerwartet auftreten – eingebettet zwischen ruhigeren Phasen.

Wie groß ist die Chance, wirklich etwas zu sehen?

Eine Garantie wagt niemand. Selbst bei starken Stürmen hängt alles von Ort, Zeitpunkt und vor allem vom Wetter ab. Wolken, Nebel und helle Stadtbeleuchtung können eine an sich kräftige Lichtshow komplett verdecken.

Dennoch stehen die Signale in dieser Phase ungewöhnlich günstig: eine Kombination aus mehreren CMEs, einem zusätzlichen schnellen Teilchenstrom aus einem sogenannten koronalen Loch und der sensiblen magnetischen Konstellation rund um die Tagundnachtgleiche.

So erhöhst du deine Chance auf Nordlicht über Deutschland

Wer das Risiko eingehen und auf Sichtung hoffen möchte, muss nicht sofort einen Flug nach Skandinavien buchen. Mit einigen praktischen Schritten lässt sich die Chance auch in hiesigen Breiten verbessern.

Suche dir zunächst eine möglichst dunkle Umgebung, fernab von starker Lichtverschmutzung. Besonders in ländlichen Regionen oder an Küsten ist der Himmel oft deutlich dunkler als im Stadtgebiet. Richte deinen Blick bevorzugt Richtung Norden oder Nordwesten, dort erscheinen die meisten Strukturen knapp über dem Horizont.

Lass deinen Augen mindestens 20 Minuten Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. In dieser Phase solltest du direktes Licht – etwa von Smartphone, Auto oder Straßenlaternen – möglichst meiden. Es lohnt sich außerdem, während der Nacht aktuelle Raumwetter-Apps oder -Grafiken im Blick zu behalten, um Phasen erhöhter Aktivität rechtzeitig zu erkennen. Statt einer einzigen langen Beobachtungssession ist es sinnvoller, mehrmals kurz nach draußen zu gehen.

Viele Menschen erwarten leuchtend bunte, tanzende Vorhänge wie auf typischen Fotos aus Nordnorwegen. In Deutschland zeigt sich das Nordlicht jedoch oft deutlich subtiler: als milchige oder schwach grünliche Aufhellung knapp über dem nördlichen Horizont. Kameras mit längerer Belichtungszeit registrieren Farbunterschiede meist früher und deutlicher als das menschliche Auge.

Tipps für Nordlicht-Fotos mit dem Smartphone

Wer das Schauspiel festhalten möchte, braucht keine teure Spiegelreflexkamera. Moderne Smartphones verfügen häufig über einen Nachtmodus, der überraschend gute Ergebnisse liefern kann.

  • Stelle das Handy auf ein stabiles Objekt oder ein Stativ, um Verwacklungen zu vermeiden.
  • Nutze Nacht- oder Pro-Modus mit verlängerter Belichtungszeit.
  • Wenn möglich, fokussiere manuell auf unendlich.
  • Mache mehrere Aufnahmen hintereinander, oft werden Strukturen erst im Vergleich deutlich.

Wer eine System- oder Spiegelreflexkamera besitzt, kann mit einer Weitwinkeloptik, möglichst großer Blendenöffnung (zum Beispiel f/2.8), hohen ISO-Werten und Belichtungszeiten zwischen etwa 2 und 10 Sekunden arbeiten – abhängig von der Helligkeit des Nordlichts.

Was in der Atmosphäre tatsächlich passiert

Nordlicht entsteht, wenn geladene Teilchen aus der Sonne in etwa 100 bis 300 Kilometern Höhe mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen in der Erdatmosphäre zusammenstoßen. Diese Atome geraten vorübergehend in einen angeregten Zustand und senden Licht aus, wenn sie in ihren normalen Energiezustand zurückfallen.

Grünes Licht ist mit Abstand am häufigsten und stammt von Sauerstoff in rund 100 bis 150 Kilometern Höhe. Rote Töne entstehen in größeren Höhen, während violette und rosafarbene Nuancen auf Kollisionen mit Stickstoff zurückgehen. Welche Farben dominieren, hängt von der Energie der einfallenden Teilchen und der Höhe in der Atmosphäre ab.

Da die Erde wie ein riesiger Magnet wirkt, werden die geladenen Teilchen zu den Polarregionen hin abgelenkt. Deshalb treten die intensivsten Erscheinungen in der Nähe von Nord- und Südpol auf; dort spricht man von aurora borealis und aurora australis. Nur bei starken oder anhaltenden Störungen reicht das Polarlichtoval weit nach Süden.

Mehr als nur eine Lichtshow: Auswirkungen starker Stürme

So faszinierend die Bilder sind, die Raumwetterforschung behält auch mögliche Folgen im Blick. Bei sehr starken geomagnetischen Stürmen können Funkverbindungen in der Luftfahrt gestört werden, Navigationssysteme ungenauer arbeiten und Hochspannungsnetze durch induzierte Ströme zusätzlich belastet werden.

Für die erwartete G2- bis G3-Aktivität werden die Auswirkungen in Europa jedoch als überschaubar eingeschätzt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen solche Ereignisse dennoch, um Messinstrumente und Modelle zu testen. Jeder Sturm liefert neue Daten über die Empfindlichkeit des Erdmagnetfelds und der oberen Atmosphäre.

Wer in diesen Nächten nach draußen tritt, beobachtet also nicht nur ein schönes Naturphänomen, sondern blickt gewissermaßen direkt auf ein Kräftemessen zwischen Sonne und Erde. Gerade das macht Nordlicht in mittleren Breiten so faszinierend: Es zeigt, wie eng unsere Erde mit Prozessen verknüpft ist, die 150 Millionen Kilometer entfernt auf der Sonne stattfinden.

Hanna Wagner

Hanna Wagner

Hallo, ich bin Hanna! Ich glaube, dass Ordnung im Haus nicht mit endlosem Bodenwischen zu tun hat, sondern mit cleveren Gewohnheiten. In diesem Blog teile ich meine Erfahrungen: Ich teste virale Lifehacks, suche nach den besten Methoden für umweltfreundliches Putzen und beweise, dass sogar alte Sachen wie neu aussehen können. Ich würde niemals etwas empfehlen, das ich nicht selbst in meiner eigenen Küche ausprobiert habe.

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