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So enthüllt sich der Meeresboden: verborgenes Landschaftsprofil einfach erklärt

So enthüllt sich der Meeresboden: verborgenes Landschaftsprofil einfach erklärt

Wer auf eine Weltkarte blickt, sieht vor allem blaue Flächen – doch unter dieser Wasseroberfläche verbirgt sich der größte Teil unserer Erde. Dort unten liegt ein komplettes, weitgehend unsichtbares Relief aus Ebenen, Hängen, Gebirgen und tiefen Schluchten. Nicht nur in fernen Ozeanen, sondern direkt unter der Nordsee, dem Atlantik und dem Pazifik. Wer versteht, wie der Meeresboden aufgebaut ist, betrachtet jede Karte mit völlig anderen Augen.

Die Erde ist vor allem Ozean – und damit vor allem Meeresboden

Rund 71 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Etwa 97 Prozent dieses Wassers befinden sich in den Ozeanen. Die logische Folge: Der überwiegende Teil aller Täler, Ebenen und Gebirgsketten liegt nicht an Land, sondern unter Wasser.

Die größte Ebene, die längste Gebirgskette und die tiefste Rinne der Erde befinden sich allesamt am Meeresboden – unsichtbar für das bloße Auge. Mit Satelliten, Sonar und Unterwasserrobotern kartieren Institutionen wie NOAA und Forschungsteams dieses unbekannte Terrain Stück für Stück. Die groben Strukturen sind inzwischen gut bekannt. Die wichtigsten Elemente dieser Unterwasserlandschaft sind die folgenden.

Kontinentalschelf: der flache Saum der Kontinente

An den Rändern aller Kontinente liegt ein breiter, relativ flacher Streifen: der Kontinentalschelf. Er ist im Grunde die seewärts überflutete Fortsetzung des Festlands.

Typische Merkmale sind:

  • Tiefe meist nur einige Hundert Meter
  • Etwa 8 Prozent der gesamten Meeresbodenfläche
  • Enorme Unterschiede in der Breite je nach Region

Vor der Küste Sibiriens reicht der Schelf rund 1.500 Kilometer weit in die Arktis hinein. Entlang großer Teile der westafrikanischen Küste ist dieser Streifen dagegen nur wenige Kilometer breit. Für Küstenstaaten ist der Kontinentalschelf wirtschaftlich äußerst wertvoll: Hier liegen wichtige Fischgründe, Sandvorkommen und oft auch Öl- und Gasfelder.

Gleichzeitig ist der Schelf ein Hotspot des Lebens. Schätzungen zufolge halten sich etwa 90 Prozent aller Fischarten auf oder über dem Kontinentalschelf auf. Fast alle Meerespflanzen – etwa Seegraswiesen und viele Algenarten – finden hier noch genug Licht zum Wachsen.

Ein bekanntes Beispiel aus der Erdgeschichte ist die heutige Beringstraße. Während der letzten Eiszeit lag der Meeresspiegel deutlich tiefer. Zwischen Asien und Nordamerika existierte damals eine breite Landbrücke, über die Menschen und Tiere wandern konnten. Heute ist dieser Bereich knapp überflutet; der tiefste Punkt liegt bei nicht einmal 55 Metern.

Kontinentalhang: der steile Übergang in die Tiefe

Am äußeren Rand des Kontinentalschelfs beginnt der Kontinentalhang. Dort fällt der Meeresboden rasch in Richtung Tiefsee ab.

Im Mittel beträgt die Neigung etwa 4 Grad. Das klingt gering, führt aber über Dutzende Kilometer zu einem drastischen Tiefenzuwachs. Auf einer Strecke von 100 Kilometern kann der Meeresboden um mehr als einen Kilometer tiefer liegen.

An manchen Stellen ist der Übergang extrem. So sinkt der Hang in einem Abschnitt des südlichen Atlantiks westlich von Afrika um mehr als 6.000 Meter auf nur 16 Kilometer horizontaler Entfernung. Das entspricht einer durchschnittlichen Hangneigung von etwa 70 Grad – fast eine Wand.

Abyssale Ebene: die größte Fläche der Erde

Am Fuß des Kontinentalhangs beginnt das riesige Reich der abyssalen Ebenen. Das sind gewaltige, nahezu schnurgerade Meeresböden in 3.000 bis 6.000 Metern Tiefe. Zusammengenommen bilden sie etwa die Hälfte der gesamten Meeresbodenfläche – und damit den größten zusammenhängenden Lebensraum der Erde.

Wie flach diese Ebenen sind, lässt sich kaum vorstellen. Während der Kontinentalhang über kurze Strecken um Tausende Meter abfällt, sinkt die abyssale Ebene im Schnitt weniger als einen Meter pro 1.000 Meter horizontaler Distanz. Auf Querschnitten von Hunderten Kilometern wirkt sie fast wie ein Billardtuch.

Trotzdem wissen Forschende über das Leben dort noch erstaunlich wenig. Sonnenlicht dringt maximal bis etwa 1.000 Meter Tiefe vor. Die abyssalen Ebenen liegen daher in ewiger Dunkelheit. Die Organismen sind auf herabrieselnde Nahrungsreste aus höheren Wasserschichten angewiesen oder auf chemische Energiequellen rund um spezielle Austrittsstellen im Meeresboden.

Abyssale Hügel: feines Relief in der scheinbaren Leere

Selbst diese Ebenen sind nicht völlig glatt. Überall ragen kleine Höhenzüge aus dem Untergrund: abyssale Hügel. Das sind relativ niedrige Erhebungen, die einige Hundert Meter über die Ebene hinausragen, meist weniger als einen Kilometer hoch.

Gemeinsam bedecken diese Hügel schätzungsweise 30 Prozent des Meeresbodens. Viele Strukturen sind alte vulkanische Reste, teilweise von Sediment überlagert. Für Tiere dienen sie als Orientierungspunkte und oft als Zonen mit etwas stärkerer Strömung und besserem Nahrungsangebot als die umgebenden Ebenen.

Unterseeische Berge: Seamounts als Inseln in der Tiefe

Noch eindrucksvoller sind größere Erhebungen: Seamounts, also unterseeische Berge, deren Gipfel die Wasseroberfläche nicht erreichen. Sie können mehrere Tausend Meter hoch sein und treten einzeln oder in langen Ketten auf.

Ihre Bedeutung beruht vor allem auf physikalischen Effekten:

  • Strömungen prallen auf den Berg und werden nach oben abgelenkt
  • Nährstoffe aus der Tiefe gelangen dadurch in höhere Wasserschichten
  • Plankton gedeiht, was wiederum Fische, Meeressäuger und Räuber anzieht

Viele Seamounts sind Hotspots für seltene Kaltwasserkorallen und Schwämme. Gleichzeitig sind diese Lebensgemeinschaften sehr empfindlich. Bodenschleppnetze oder Tiefseebergbau können Ökosysteme in kurzer Zeit zerstören, die sich über Jahrtausende entwickelt haben.

Tiefseegräben: die tiefsten Narben der Erdkruste

An bestimmten Stellen verschwindet Meeresboden buchstäblich wieder im Erdinneren. Dort, wo tektonische Platten aneinanderstoßen und eine Platte unter die andere abtaucht, entstehen tiefe Rinnen: Tiefseegräben. Sie markieren die tiefsten Punkte der Erdkruste.

Der Marianengraben im westlichen Pazifik ist das bekannteste Beispiel. Der tiefste vermessene Punkt liegt bei mehr als 11.000 Metern unter der Wasseroberfläche. Zum Vergleich: Der Gipfel des Mount Everest, höchster Berg an Land, ragt 8.848 Meter über den Meeresspiegel.

Würde man den Mount Everest auf den Grund des Marianengrabens stellen, läge sein Gipfel noch mehr als einen Kilometer unter Wasser.

Der Druck in solchen Gräben ist extrem – mehr als tausendmal höher als an der Oberfläche. Dennoch haben Spezial-U-Boote und Kameras dort Leben dokumentiert, von Mikroorganismen bis hin zu bizarren Fischen und Krebstieren.

Vulkanische Inseln: wo der Meeresboden auftaucht

Wächst ein unterseeischer Vulkan so weit in die Höhe, dass sein Gipfel die Wasseroberfläche durchstößt, spricht man nicht mehr von einem Seamount, sondern von einer Insel. Vor allem in Zonen aktiver Plattengrenzen und sogenannter Hotspots bilden sich solche vulkanischen Inseln.

Hawaii ist ein bekanntes Beispiel. Die Inselkette besteht aus gewaltigen Vulkanen, die vom Meeresboden aus mehr als 9.000 Meter in die Höhe ragen. Der Teil über Wasser ist nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Berges.

Durch wiederholte Vulkanausbrüche entsteht ständig neues Land. Erst bildet die erstarrte Lava schroffe, schwarze Felsen, später lagern sich Sand und Böden ab, und schließlich siedeln sich Pflanzen an. Über lange Zeiträume können Inseln jedoch auch wieder verschwinden – etwa wenn sich die Erdkruste verschiebt oder der Meeresspiegel steigt.

Warum uns diese verborgenen Formen direkt betreffen

Das Unterwasserrelief wirkt weit entfernt, beeinflusst aber das Leben an Land unmittelbar. Die Gestalt des Meeresbodens bestimmt, wie Strömungen verlaufen, wo Nährstoffe an die Oberfläche gelangen und in welchen Regionen Stürme zusätzliche Energie aufnehmen können.

Einige konkrete Auswirkungen:

  • Fischbestände konzentrieren sich entlang von Rändern, Seamounts und Hängen
  • Tiefen und Gräben lenken ozeanische Strömungen und damit das Klima
  • Instabile Hänge können Hangrutschungen auslösen, die wiederum Tsunamis erzeugen
  • Der Kontinentalschelf ist entscheidend für Standorte von Windparks, Kabeln und Pipelines

Für Küstenländer in Europa spielt vor allem der eigene Schelfbereich eine zentrale Rolle. Offshore-Windparks, Sandentnahme für Küstenschutzmaßnahmen sowie Trassen für Strom- und Datenkabel hängen direkt mit der Form des jeweiligen Meeresbodens zusammen.

Wie Forschende den Meeresboden kartieren

Da Menschen und Kameras nicht einfach zu Tiefen von 5.000 Metern hinabtauchen können, kommt eine Kombination technischer Verfahren zum Einsatz.

  • Multibeam-Sonar: Forschungsschiffe senden Fächer aus Schallimpulsen nach unten und messen die Laufzeit des Echos. So lassen sich Tiefe und Relief des Bodens rekonstruieren.
  • Satellitenmessungen: Geringe Unterschiede im Schwerefeld der Erde verraten, wo sich tiefe Gräben oder hohe Seamounts befinden.
  • Unbemannte Unterwasserroboter: Sie können in Bodennähe „fliegen“, filmen und Proben nehmen.

Trotz all dieser Methoden ist bislang nur ein Teil des Meeresbodens hochauflösend kartiert. Viele Seamounts, Gräben und Täler sind noch gar nicht erfasst oder nur grob skizziert. Neue Expeditionen bringen daher regelmäßig Überraschungen ans Licht – von unbekannten Gebirgsketten bis zu völlig neuen Ökosystemen.

Wichtige Begriffe rund um den Meeresboden

Wer häufiger mit Themen rund um den Ozean zu tun hat, begegnet bestimmten Fachbegriffen immer wieder. Dazu gehören etwa Kontinentalschelf, Kontinentalhang, abyssale Ebene, Seamount, Tiefseegraben und vulkanische Insel. Sie beschreiben die grundlegenden Bausteine der Unterwasserlandschaft.

Für Taucherinnen, Taucher und Segler hat dieses Wissen eine sehr praktische Seite: Artenreiche Korallenriffe liegen oft an unterseeischen Hängen von Inseln und Seamounts, während große pelagische Fische sich bevorzugt an den Rändern des Kontinentalschelfs aufhalten. Für Politik und Ingenieurwesen bestimmen dieselben Strukturen, wo sich Kabel sicher verlegen oder Windturbinen stabil errichten lassen.

Wer also auf die scheinbar einheitlich blauen Flächen der Weltkarte blickt, sieht in Wahrheit eine zweite, verborgene Erdoberfläche: mit eigenen Gebirgsketten, Tiefebenen und Narben, die Klima, Wirtschaft und Natur maßgeblich mitgestalten.

Hanna Wagner

Hanna Wagner

Hallo, ich bin Hanna! Ich glaube, dass Ordnung im Haus nicht mit endlosem Bodenwischen zu tun hat, sondern mit cleveren Gewohnheiten. In diesem Blog teile ich meine Erfahrungen: Ich teste virale Lifehacks, suche nach den besten Methoden für umweltfreundliches Putzen und beweise, dass sogar alte Sachen wie neu aussehen können. Ich würde niemals etwas empfehlen, das ich nicht selbst in meiner eigenen Küche ausprobiert habe.

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